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Von Hunde-Webinaren, Roboterjournalisten und Strafzettel-Chatbots. Bericht zum 20. #MXSW

20. #MXSWTrotz Freibad- bzw. Biergartentemperaturen hatten sich am 18.7.2016 zum 20. #MXSW Medienmenschentreffen überraschend viele Besucher eingefunden in den schönen Räumlichkeiten des Kosmos Shops in Stuttgart – wie immer eine bunte Mischung aus bekannten Gesichtern und Erst-Besuchern.

Engagiert wurden denn auch die drei Bei-/Vorträge diskutiert, hier auch noch einmal neben dem Dank an die Kollegen von Kosmos explizit an Carsten Vetter (Kosmos) und Saim Ralf Alkan (aexea GmbH ax semantics). Ich selbst konnte mir einen dritten Vortrag zu Chatbots nicht verkneifen.

Alle 3 Vorträge finden sich untenstehend, natürlich ohne Tonspur (obwohl der Verfasser dieser Zeilen kurz über Facebook Live nachdachte, es aber aus Zeitnot unterließ). Die nächsten Themen, live und mit Tonspur wird es dann im Herbst beim 21. #MXSW geben – der genaue Termin wird hier noch veröffentlicht.

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Holtzbrinck und Random House suchen Datenanalysten!

“Kennzahlen, Aufbereitung für strategische Entscheidungen, datengetriebe Produktentwicklung, Kundenzentriert, Customer Journey, Lifetime-Value, Audience…” – klingt spannend, oder?

Okay, das war jetzt gelogen und dient der Maxime “Verdeutlichen durch Übertreibung”. Meines Wissens suchen diese beiden großen Verlagshäuser keine Daten-Analysten (alle anderen Verlage ebenfalls nicht). Tatsächlich sucht die Frankfurter Allgemeine Zeitung gezielt “Data Analysts”. Bevor sich jetzt aber wieder alle beruhigt hinlegen wäre vielleicht ein kleiner Blick auf die Stellenbeschreibung auch für die Buchbranche sinnvoll – in Hinblick auf zukünftige Anforderungen. Und warum es gut wäre, solche Stellenausschreibungen auch einmal im Börsenblatt zu finden.

data analyst

Kennzahlen, Aufbereitung für strategische Entscheidungen, datengetriebe Produktentwicklung, Kundenzentriert, Customer Journey, Lifetime-Value, Audience…es hilft alles nichts, aber diese Begrifflichkeiten stehen für das Verlegen im 21. Jahrhundert, nicht “Haptik” oder “Büttenpapier”.

Die Situation ist doch die – nie gab es mehr unternehmens- und produktrelevante Daten als heute. Aber wo sind die Kollegen in den Verlagen, die KPIs definieren, die Daten sammeln, aggregieren, visualisieren? Wer stellt dann auch (eigentlich der entscheidende Faktor) die richtigen Fragen? Und zwar nicht nur retrospektiv im Rahmen des vertrauten Verlags-Controllings?

Das Missverständnis liegt im vermeintlichen Konflikt zwischen “datengetriebenem Publizieren” (wer lässt sich gerne vor sich her treiben?) und dem programmatisch prägenden Verleger. Zahlen vs. Bauchgefühl. Wirtschaftliches Arbeiten (und dies unterstellt, dass ein Gutteil der 2.200 deutschen Verlage Wirtschaftsbetriebe sind) basiert schon seit den Sumerern datenbasiert (die frühesten Tontafeln halten “Eintragungen aus dem Steuer- und Rechnungswesen” fest). Daran ist nichts Ehrenrühriges.

Discoverability

Wer als Verlag mit seinen Produkten in einem gigantischen, unübersehbaren Warenhaus voller Inhalte unterschiedlichster Art zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Produkt überhaupt noch in einem wirtschaftlich sinnvollen Umfang sichtbar bleiben will – der kommt um ein digital gestütztes Zahlen-Instrumentarium nicht mehr herum. Ob man dies Big Data, Smart Data oder Data Data nennen mag ist irrelevant.

Aber der Big Data-Ozean erfordert kundige Fährleute – eben Daten Analysten. Und um im prosaischen Bilde zu bleiben: was mag einem Schiff auf hoher See vor einem aufziehenden Sturm ohne Navigator wohl bevorstehen?

P.S. Wer übrigens nicht so lange ausharren möchte bis erste solcher Positionen in Verlagen ausgeschrieben sind – der kann es ja tatsächlich einmal bei der FAZ probieren.

 

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Hype um Pokémon Go: In der Nutzung vor allen anderen Anwendungen

Pokémon Go

Ein Hype geht um die Welt: Pokémon Go

“Obwohl in Deutschland erst seit Kurzem offiziell verfügbar, ist Pokémon Go derzeit in allen Medien omnipräsent. Mit seinem zweiten Smartphonespiel scheint Nintendo einen Volltreffer gelandet zu haben. Seit der Veröffentlichung des Spiels befindet sich die Nintendo-Aktie im Aufwärtstrend; allein gestern legte das Papier um fast 13 Prozent zu. Den Erfolg der App verdeutlicht auch eine Statistik von Similar Web. Das Analyseunternehmen hat am Freitag den 8. Juli die Nutzungsdauer ausgewählter Apps in den USA gemessen. Pokémon Go liegt mit über 43 Minuten in dieser Erhebung deutlich vor populären Anwendungen wie WhatsApp (00:30:27) oder Snapchat (00:22:53).” (statista)

Nachsatz: Kollege Dennis Schmolk hat sich im Artikel “Pokémon Go: Warum spielt man das?” auch so seine Gedanken gemacht, Lesenswert!

Infografik: Zeitfresser Pokémon Go | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

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Anteil der jugendlichen Buchleser in Deutschland sinkt rapide!

Sieht man sich die Zahlen der JIM-Studie (“Jugend, Information, (Multi-)Media-Basisstudie zum Medienumgang 12 – bis 19 -Jähriger in Deutschland”) zum Anteil der jugendlichen Buchleser in Deutschland von 2011 bis 2015 an, könnte es einen gruseln: ein Rückgang von 44% auf 36%!
JIM-Studie Ausschnitt
Dennoch weiß der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu berichten: “Kinder- und Jugendbücher sind eine wichtige Warengruppe auf dem deutschen Buchmarkt. Sie machten 2012 rund 15,6 Prozent des gesamten Buchumsatzes aus. Damit liegt die Warengruppe weiterhin im Gesamtmarkt auf Platz zwei hinter der Belletristik. „Das Interesse an Büchern und am Lesen ist bei den Jugendlichen ungebrochen groß“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.”
Auch wenn vieles an Verlautbarungen des Börsenvereins logischerweise tendenziös sein muss (als Lobbyverband – und das ist jetzt nicht einmal negativ gemeint), hier stimmt die Aussage. Vor allem, wenn man sich die ganze Statistik anschaut seit 2002 und nicht nur den Ausschnitt ab 2011:
JIM-Studie Infografik
Tatsächlich ist der “niedrige” Wert für 2015 analog zu den Werten der Jahre 2002 und 2007, während der Wert 2011 mit 44% eher ungewöhnlich hoch erscheint.
Womit vielleicht zwei Dinge verdeutlicht wären: erstens sind statistische Zahlen keine Wahrheiten, sondern immer bewusst interpretierbar (womit wir wieder beim Börsenverein und den Zahlen zum deutschen E-Book-Markt wären, diese Spitze muss jetzt sein). Und zweitens: eine Artikelüberschrift muss nicht zwingend falsch sein, um doch falsch zu sein.
Also Entwarnung auf breiter Front?
Aber zurück zum Thema “Bücherlesende Jugendliche”. Wenn sich dieser Wert in den letzten 13 Jahren nicht fundamental verändert hat – dann ist ja alles gut. Oder?
Andererseits überlege man sich den Siegeszug von Smartphones in den letzten fünf Jahren dazu, die Durchdringung von (fast) allem durch Mobile – und die Nutzung von Bewegtbildplattformen wie Youtube oder sozialen Netzwerken gerade durch Jugendliche. Das zeitliche Nutzungsvolumen von Medien wird ja nicht per se größer.Vielleicht wird man dann in einigen Jahren, sagen wir der JIM-Studie des Jahres 2025, feststellen, dass die Überschrift dieses Artikels nicht nur nicht falsch, sondern auch richtig war.

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Veranstaltung: 20. #MXSW- Medienmenschen-Treffen am 18.07.2016 mit digitalen Blumen und Bienen, Roboterjournalisten und Chatbots

mxsw_logoWer hätte das gedacht? Unser offenes und informelles Veranstaltungsformat #MXSW feiert mit der 20. Veranstaltung ein kleines Jubiläum. Dieses Mal stellt uns der Kosmos Verlag seine Buchhandlung in der Blumenstrasse 44 dafür zur Verfügung und zwar am Montag, den 18.07.2016 ab 19.00 Uhr!

Wie immer mit kostenlosem Eintritt haben wir diesmal wieder einige spannende Referate und Diskussionsthemen:

Von singenden Büchern und Autoren im Wohnzimmer
Die digitalen Projekte des Kosmos-Verlags
Carsten Vetter. Produktmanager digital Buch

Roboterjournalisten und Semantik
Ein Überblick über die aktuellen Technologien, Einsatz und Zukunfstszenarien
Saim Rolf Alkan, Geschäftsführer aexea GmbH/ax semantics

Chatbots – was ist denn jetzt schon wieder los?
Die zwischenmenschliche Kommunikation ist schon schwierig genug, jetzt wollen auch noch künstliche Intelligenzen mitmischen? Zum Stand der Dinge und mögliche Auswirkungen für Verlage
Steffen Meier, Leitung Produktinnovation und Geschäftsleitung readbox Publishing GmbH

Ein breiter thematischer Bogen, der sicher wie gehabt zur offenen Diskussion und zum Austausch einladen wird.

Hier auch noch der Hinweis auf die Facebook-Gruppe:
https://www.facebook.com/groups/MXSW.MediaSuedwest/

Und hier treffen wir uns (das Bild habe ich bei den Kosmos-Kollegen gemopst):

kosmos buchhandlung

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The Arab book market: censorship, piracy, ebooks and book fairs always on the go

IMG_6244_introA few months ago the Cairo International Book Fair 2016 took place – an example of the book market in the Arab world, but also for digital awakening, with similar challenges for local publishers as found in western countries. But also a digital awakening bringing the Middle East possibilities of freedom of opinion and speech. Weiterlesen →

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Web and ebook: Is the great merger coming?

Books in BrowsersThe issue of “books in browsers“, the convergence of the web as we know it and the native product of publishers called ebooks, has been a side issue for mainly the technically experienced ones and evangelists. Now two major organizations for standardisation, W3C and IPDF, manifested their merger precisely with this objective in mind. But which impact could this event have for publishers?

Statements of “books in browsers” or “an ebook is actually a website” proved to have little to no relevance in the strategic considerations of publishers. Only a few initiatives drew the interest of a small audience – under strange names such as “Advancing Portable Documents for the Open Web Platform” – and never sparked a broader discussion.

But now the World Wide Web Consortium (W3C) and the International Digital Publishing Forum (IDPF) decided to join forces in order to finally foster these initiatives and considerations. To make a long story short: the people who are responsible for internet standards merge with those who establish ebook standards. And here it is, the necessary bang.

What is it really in the subject?

Each beginners’ course on ebook production starts with the definition that ebooks are websites. And at that it is ticked off, as all ebooks are fixed Codex forms brought to the audience via dedicated distribution platforms. Done. The basic technology, the format, doesn’t matter – as long as it is standardized and can be integrated in the corresponding workflow. The underlying sales processes were only digitized common distribution channels – printed books for bookstores, digital books to the now frowned upon oligopolies. Railing at the “evil A“, and walled gardens, and pitying the poor customers in the clutches of various data Kraken is considered part of the business, there is nothing to be done about that and actually business is not too bad.

Secretly and quietly…

Indeed there were but a few initiatives considering what is the consequence of the fact that a digital product like an eBook technically is much closer to everyday technologies such as browsers, websites, “surfing” etc. than to the medium that publishers conecntrate at the moment. For example publishers like Penguin with “Pelican Books“, but mainly the W3C (these are the colleagues who define standards for the Internet) with the “Digital Publishing Interest Group” and their invitation to publishers to contribute to their endeavours. Finally it is not just about sophisticated topics such as digital annotations, but also about DRM or transactions – both prerequisites to build an economy for publishers. At this point the possible merger of IPDF and W3C finally sets an end and starting point.

Michael Schneider, a german specialist for new technologies in publishing, puts the basic idea in a nutshell: “It has to be the aim – especially for ebooks – to become “Native Citizens of the Web “. This means to integrate them trouble-free and fluently into the digital stream of information.”

So what? And where is the strategic dimension now?

Sir Tim Berners-Lee, “inventor” of the WWW, also outlined several relevant points during the announcement of the merger of these two organizations at the Book Expo America (BEA):

Permanence: ebooks do no longer disappear with the appearance of new devices or formats if they are created using HTML 5, the web language, “the simplest coding language”.
Seamless: Interoperability, this tongue twister, is the ultimate keyword. Content works on all devices. Really all.
Linked: eBooks are no longer isolated content units but linked to other content.
Trackable: Tim Berners-Lee speaks of “linked data”, which also enables measuring user interactions, same as it has been happening on websites for decades.

Actually there have been some objections from Nate Hoffelder who missed the topic DRM and sees the risk of spying on customers with web technologies. However, this may be an unrealistic approach: The DRM issue already is fiercely discussed in the developer community (especially the Free Software Foundation is at the front line against Encrypted Media Extensions which could bring rights management tools for online content). And the point of “spying” surprises here, as this would even decline if users actively gave their consent. At the moment this necessary consent is hidden anywhere and unread, in the “Terms and Conditions” of major ebook platforms.

From a technical point of view a convergence of web and ebook first of all means: no new technology, no dedicated hardware such as e-reader is necessary. Digital products from publishers (or authors) can be read on any device with implemented browsers . And these really are all kinds of devices, from smartphones to smart TVs.

On an economic level this convergence implements that all transaction technologies which are used at the moment in the field of ecommerce can also be used for web-ebooks. Thoroughly thought through this could also mean the end of the so-called walled garden systems, at least an alternative. What about building own (ecomic) systems instead of muttering about large bad companies ? Well, at the end of the day we may even talk about direct customer business, rather neglected by publishers so far. Maybe this could be an assignement for a consortium of media companies. Or a publisher or author on his own. Diversity instead of oligopoly.

One consequence could be that blogposts (like this) are the nearest neighbours to future web-ebooks, the products of publishing houses are one click away, not safely stored inside a completely separated eco system. Visibility, the battle for attention and the “willingness to pay for content” then take on new dimensions. But offering content seamlessly to an enormous potential readership – directly or with the help of other, new intermediaries – could be a great opportunity to come out of the Codex niche. Let’s take a positive view on these future developments. Disruption eats the stupid and slow ones only.

Credit: Flickr User isherwoodchris 

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Snapchat wächst und wächst und wächst…

snapchat“Ende 2015 hatte die App 110 Millionen täglich aktive Nutzer, die zusammengenommen auf zehn Milliarden Video-Views pro Tag kommen”, so jedenfalls die Analysen von statista (siehe untenstehende Infografik). Das ist natürlich noch weit weg von den Zahlen der großen Boliden wie Facebook oder Youtube und auch zu den etwa 300 Millionen (aktiven) Nutzer, die Twitter auf sich vereinigt. Dennoch verdient abseits des unvermeidlichen Medien-Hypes diese Dynamik einigen Respekt, zumal vielen gar nicht so richtig klar ist, was denn nun bitteschön der eigentliche Mehrwert von Snpachat ist, mal ganz abgesehen von der ratlosen Medien-Industrie. Vielleicht kann Philipp Steuer hier mit seinem unterhaltsamen, kurzknackigen Video etwas Licht ins Dunkel bringen:

Infografik: Snapchat wächst rasant  | Statista

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Reader Analytics: Zielgruppenwissen für Verlage oder Humbug?

Reader AnalyticsMarketingmenschen sind Zahlenfetischisten. Alles, was nicht bei eins auf den Bäumen ist, wird gezählt, A/B-Tests gemacht, in Funnel-Analysen werden Bestell-Hemmnisse analysiert, um die Konversionsrate zu erhöhen. Aber sind solche Metriken auf das getippte Wort, auf Literatur übertragbar? Die Antwort lautet wie so oft im Leben: Jein.

In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen taucht das Thema »Datenanalyse« und »Auswirkungen auf den Inhalt« in den Branchendiskussionen auf, mal eher skurril wie im Falle des »Hawking-Index«, mal eher ernsthaft aber mit wenig Aussagekraft wie das Whitepaper »Publishing in the Era of Big Data« von Kobo mit Zahlenmaterial aus deren Kobo Reading Life-Programm. Die bisherigen Erkenntnisgewinne waren eher mager – oder was bringt es einem deutschen Belletristikverleger, wenn er durch Kobo weiß, dass Titel aus dem Bereich »Romance« im weltweiten Durchschnitt nur zu 70% gelesen werden (am ausdauerndsten dabei: Italien)? Oder religiöse Literatur nur zu maximal 45%? An letzterem Punkt kann man übrigens schon erkennen, welche Grenzen der Mathematik gesetzt sind. Überspitzt formuliert: wer liest denn schon die Bibel von Anfang bis Ende – am Stück? Doch dazu später mehr. Weiterlesen →

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Das Buch als Leitmedium – für Senioren

SeniorenZwei Meldungen geisterten in den letzten Tagen durch die Presse, unabhängig voneinander, aber doch ein Gesamtbild bestätigend – der klassische Leser ist vor allem eines: alt.

Zuerst war es Michael Tamblyn, CEO des E-Book-Anbieters Kobo, der auf der IPG Spring Conference eine “Bombe” platzen ließ: “Tamblyn admitted that 50% of all Kobo customers are 55 years old or retired. “People 55 and over are leading a digital charge for the first time”, he said. “That kind of understanding of what that customer looks like changes everything for us.”

Die nächste Meldung kam aus dem guten alten Statistischen Bundesamt (Destatis), die generell das Leseverhalten der Deutschen untersuchten:

“In ihrer Freizeit lesen die Menschen in Deutschland durchschnittlich
3 ¾ Stunden pro Woche…ist das Lesen besonders bei Seniorinnen und Senioren beliebt.
Mit durchschnittlich 6 ¾ Stunden haben die über 65-Jährigen die längste Lesedauer je Woche. Im Alter von 45 bis 64 Jahren wird im Schnitt immerhin noch knapp 4 Stunden wöchentlich gelesen. Die 10- bis 17-Jährigen sowie die 30- bis 44-Jährigen verbringen damit jeweils nur 2,5 Stunden in der Woche. Mit 1,5 Stunden wöchentlich nehmen sich die 18- bis 29-Jährigen am wenigsten Zeit fürs Lesen.
Die meiste Zeit wird dabei mit der Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften verbracht (durchschnittlich 1 Stunde 24 Minuten pro Woche). Die Lesedauer von Büchern ist mit 49 Minuten wöchentlich deutlich geringer. Weitere Zeiten entfallen unter anderem auf das Lesen von Gebrauchsanweisungen, Beipackzetteln, Broschüren und Katalogen.”
Quelle (Die Daten selbst stammen aus der “Zeitverwendungserhebung 2012/2013″ und wurde wohl eher anläßlich der startenden Leipziger Buchmesse wieder herausgekramt.)

Was kann man daraus ablesen? Auf den ersten Blick nichts Neues – es reicht schon ein Gespräch mit einer Handvoll Buchhändlern oder ein Blick in die Buchkäufer- und Buchleser-Studie des Börsenvereins, um festzustellen, dass Lesen, bzw. speziell die Nutzung des Endgeräts “gedrucktes Buch” primär bestimmten Altersschichten vorbehalten war, und zwar schon seit Dekaden.

Was, wenn es gar keine nachwachsende Leser-Generation für Kodex-Formen mehr gibt?

Das ist aus Produzentensicht (e.g. Verlage) erst einmal nichts Schlimmes, schließlich sorgt die Demographie auch bei Kukident-Nutzern ja automatisch für Nachwuchs.
Bisher war die Beruhigungs- und Argumentationskette auch Folgende: die Alten lesen gedruckt, die Jungen denselben Inhalt digital – wenn diese Produktmigration (die Verlage mit ihren Print- und Digitalkopie-Prozessen abbilden) so bleibt ist alles in Ordnung.

In diesem Kontext ist Tamblyns Analyse dann aber doch spannend – vielleicht gibt es diese Lese(r)migration von Generation zu Generation gar nicht, sondern “klassisches Lesen” gewohnter Kodex-Formen könnte primär an die heute damit aufgewachsene Generation gebunden zu sein, die irgendwann den Weg alles Irdischen geht.

Man mag das, was da an Alterskohorte heranwächst, “Generation Youtube” oder wie auch immer nennen. Und es kommt wie immer im Leben sicher alles nicht so schlimm wie dahergeunkt. Aber vielleicht sollte aus der Vogelperspektive doch einmal darüber nachgedacht werden, ob nicht das gedruckte Buch durch das E-Book, sondern das gewohnte Format “Buch” gar nicht ersetzt wird.

Im Moment kann man attestieren: neben vokaler und visueller Informationsübertragung wird es auf lange Sicht die schriftliche Kommunikations-Form geben. Im Sinne von “Gelesen wird immer”. Aber vielleicht ist das, was (!) gelesen wird in Zukunft etwas völlig anderes, vielleicht eine Mischform an Kanälen, eine Sammlung an Hyperlinks, Postings und kein “Buch” mehr – immerhin das Kernprodukt einer 10-Milliarden-Industrie hierzulande. Mal darüber nachdenken…

Teaserbild: cocoparisienne unter CC0 Public Domain

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