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„Macht unsere ebooks billiger!“ – Debatten, so zeitgemäß wie die Village People | Meier-meint.de
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„Macht unsere ebooks billiger!“ – Debatten, so zeitgemäß wie die Village People

Der richtige E-Book-PreisUnter dem aufklärerischen Titel „Macht unsere ebooks billiger!“ wird der hochgeschätzte Kurt Tucholsky als Kronzeuge für ein vermeintlich legitimes Ansinnen der digitalen Leser herangezogen in einem aktuellen Blogbeitrag von Volker König. Der wohlvertraute Grundtenor: eigentlich sind die hohen E-Book-Preise vulgo „Abzocke“der Verlage, nicht gerechtfertigt und nur niedrige Preise Garant für beide Seiten, auch in Zukunft zu prosperieren (sagt ja schließlich auch Amazon – nur die Verlage sind zu blöde, das einzusehen). Abgesehen davon, dass es verwunderlich ist, dass wir immer noch über dieses Thema diskutieren, verwundert noch mehr die Tatsache, dass die Argumentation auch noch abseits jeder Kenntnis der Hintergründe passiert. Zeit für eine kleine Replik und Richtigstellung. Möge es hoffentlich die letzte sein…
„Keine Angst, das gedruckte Buch mit seinem besonderen Geruch, einem ex libris im Einband und dem Geräusch des Umblätterns wird nie verschwinden. Dampfloks gibt es ja auch noch für die Nostalgiker.“ Zitatende. Ach je, das ist wieder diese inzwischen langweilige Wir-Digitalen-sind-ja-viel-weiter-als-die-verschnarchte-Buchbranchen-Attitüde. In der Sache bringt uns das kaum weiter – wobei zu definieren wäre, wer „uns“ hier eigentlich ist. Der typische (Buch)Käufer? Oder der an mp3- und App-Preise gewohnte Digitalo? Im öffentlichen Dialog meldet sich ja zumeist Letzterer und meist lautstark zu Wort, dem typischen Käufer/Nutzer können wir uns ja nur durch Umfragen und ähnlichem annähern.

Egal. Zur Sache und Richtigstellung der im Blogbeitrag aufgeführten Behauptungen: Ich bin Enno Lenze unwahrscheinlich dankbar für seine transparente Vergleichs-Kalkulation von Print- und E-Book. Erstens mal ist sie realistisch. Zweitens steht Enno nicht im Verdacht, eine der üblichen „Verlagsschnarchnasen“ zu sein. Und drittens werden die meisten Branchenkollegen die 20-25% an Produktionseinsparungspotential bestätigen. (Der im Blogbeitrag weiter angeführte Punkt des eingesparten Rabatts, weil der Buchhandel nicht mehr an der Distribution beteiligt ist, entpuppt sich bei klarem Blick als völliger Unfug. Oder glaubt hier irgend jemand, dass Amazon, Apple & Co. pro bono arbeiten?)

Damit kommen wir aber zum entscheidenden Punkt: in der Fläche und als Branchenkonsens liegen die meisten Verlage „über den Daumen“ (siehe Kartellrecht) bei diesen 20-25% Unterschied. Sowohl in der Produktion als auch in der Weitergabe in Form eines niedrigen E-Book-Preises. Und das bei 12% Unterschied in der Mehrwertsteuer (siehe Fußnote).

Vielleicht hilft dazu ein Blick in die aktuelle E-Book-Studie des Börsenvereins, und zwar der Teil, der aus Umfragewerten unter den Content-Produzenten, also den Verlagen, entstand:

Die meisten Verlage differenzieren in der Preisgestaltung zwischen E-Book und gedrucktem Buch[…] Einer von zehn Verlagen mit niedrigeren E-Book-Preisen hat sich für einen Preisabstand entschlossen, der bis zu 10 Prozent niedriger liegt, als der Preis des gedruckten Buchs. 42 Prozent setzen E-Books preislich ca. 10 bis 20 Prozent geringer an als gedruckte Bücher und 48 Prozent wählen sogar eine Preisdifferenz von über 20 Prozent.

In derselben Studie findet sich auch etwas zur Frage, was Konsumenten zahlen würden (Quelle: GfK):
Nahezu zwei Drittel der Bevölkerung (62 Prozent), die E-Books bereits kennen, sehen in einem gedruckten Buch eine höhere Wertigkeit und sind folglich der Ansicht, dass die digitale Ausgabe einer Neuerscheinung einen entsprechend geringeren Preis haben sollte. Innerhalb dieser Gruppe ist die Hälfte sogar der Ansicht, dass E-Books mehr als 20 Prozent günstiger als gedruckte Bücher sein sollten und ein weiteres Viertel ist zumindest für eine Preisdifferenz von 10 bis 20 Prozent unter dem Preis einer Print-Novität. Alle weiteren sind sich unschlüssig (17 Prozent) oder würden einen Preisvorteil von unter 10 Prozent angemessen finden (6 Prozent). Eine solch geringe Preisdifferenz tendiert dann bereits zu der Ansicht, dass E-Books und gedruckte Exemplare preislich im Grunde genommen als gleichwertig zu bewerten sind und das Format beim Buchpreis keine Rolle spielen sollte. Diese Meinung vertreten immerhin 30 Prozent aller E-Book-Kenner. Die restlichen 8 Prozent empfinden E-Books als hochwertiger und wären sogar mit einem im Vergleich zum gedruckten Buch höheren Preis einverstanden.

Johannes Haupt hat auf lesen.net eine andere Umfrage, ebenfalls GfK, zitiert, bei der der optimale E-Book-Preis bei etwa 40% unter LP des gedruckten Pendants liegt. Wobei ich es IMMER für schwierig halte, einen Kunden nach seinem Preis zu fragen – im Kern mag der ja erstmal für gar nichts zahlen…

Damit auch zur zitierten Aussage von Amazon, die ja verkürzt folgendes aussagt: „Mach dein Produkt billiger, dann hast du mehr Reichweite und mehr Abverkauf“. Mit einem eingeschränkten Blick auf das digitale Produkt mag das ja tatsächlich so sein. So lange wir aber ein Kernprodukt in zwei Ausprägungen haben, muss ein Verlag sich immer auch die Frage stellen, ab welchem Punkt eine Ausprägung (etwa Print, an der immer noch gut verdient wird) durch Substitution verliert. Gerade der Taschenbuchbereich in Print dürfte durch große Preisdifferenzen zum E-Book sehr schnell Vergangenheit sein – wohl dem, der dadurch größere Leserkreise erreicht, um in Print verlustige Deckungsbeiträge auszugleichen. Ansonsten ist das erstmal ein schlechter Deal und damit auch die Vorsicht der Verlage nachvollziehbar.

Es gibt naturgemäß sehr viele Dinge, über die im Umfeld des deutschen E-Book-Marktes diskutiert werden kann und auch sollte. Und zwar explizit nicht nur von Branchen-Insidern. Aber dann bitte auf der Grundlage zugänglicher valider Daten und in sachlicher Abwägung, nicht in Form aufgeblasener Einzelergebnisse einer Suche auf Amazon, diversen falsch interpretierten Zahlen und einem durchsichtigen PR-Manöver in Sachen Preisreduktion seitens Amazon. Eigentlich sollten wir auf diesem Niveau nach mehr als 30 Jahren E-Book nicht mehr diskutieren (müssen).

Dabei ist die Frage nach dem E-Book-Preis im Übrigen auch die falsche Frage (das regelt der Markt schon selber). Die Frage nach dem richtigen Produkt für digitale Märkte ist die richtige. Dann werden wir diese Diskussionen auch (endlich) nicht mehr führen müssen. Wenn eben keine Substitution, keine digitale Kopie einer zuerst gedruckten Vorlage mehr passiert. Sondern jeder Kanal die für den Leser/Nutzer adäquate Produktform bekommt, der eine die Linearität, der andere den Hypertext, der eine das unterbrechungsfreie Lesen, der andere den inhaltlich-didaktische Media-Regenbogen. Bis dahin wird es aber wohl noch etwas dauern…

Fußnote: die 7% auch für das E-Book sind übrigens nicht bereits beschlossen, wie im Blogbeitrag kolportiert, sondern in sehr weiter Ferne. „Laut Bundesfinanzministerium ist es fraglich, ob der reduzierte Mehrwertsteuersatz überhaupt in absehbarer Zeit kommt.“ Übrigens auch lesenswert, falls hier mal jemand von Print-ebook-Bundles salbaderd und gutes Beispiel dafür, in welchen Zwickmühlen Verlage manchmal stecken – diese sind nicht alle selbstverschuldet.

tl;dr
Polemiken zum Thema E-Book-Preis sind so modern wie die Village People. Und auf der Grundlage falscher Daten bzw. Zusammenhänge auch so nützlich wie eine Colitis ulcerosa.

Teaserbild: mbtphoto

 

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8 Kommentare

  1. Hallo Herr Meier,
    danke für den Diskussionsbeitrag und die verlinkte Vergleichs-Kalkulation. Als „Verlagsmensch“ (wenn auch nicht Schnarchnase) würde ich bei Ihrer Argumentation über weite Strecken mitgehen. Allerdings gibt es einen Punkt, an dem ich Volker Königs Einwand nicht unberechtigt finde, und das ist die schlichte Tatsache, dass viele Leser E-Books im Verhältnis zur Printausgabe (also das angeführte „Kernprodukt in zwei Ausprägungen“) für zu teuer empfinden.
    Sie schreiben selbst, dass wir über den Preis nicht diskutieren müssten, da das der Markt von selbst regele (wobei man das bei einem so stark regulierten Markt wie dem deutschen Buchmarkt auch anzweifeln könnte). Nun, der Markt, das sind auch all jene Leser, denen E-Books zu teuer sind und die mit ihrem bis dato zurückhaltenden Kaufverhalten dafür sorgen, dass E-Books in Deutschland immer noch nicht richtig abgehoben haben. Würden sich die Verlage also stärker am Markt und nicht an ihren eigenen (teils etwas eingefahrenen) Preisvorstellungen und Kalkulationsmodellen orientieren, könnten wir schon bald dahin kommen, dass E-Books deutlich günstiger angeboten werden (und damit auch die Umsätze steigen und evtl. Entwicklungen angestoßen werden die wir noch gar nicht abschätzen können, teilweise vllt. auch nicht wollen).
    Bis zur Etablierung einer formatgerechten Produktdifferenzierung (anstelle von formatübergreifender Substitution) wird es leider – Sie deuten es an – noch ein Weilchen dauern. Als Zwischenschritt in dieser Übergangsphase wäre eine stärker am Kunden orientierte Preispolitik sicher nicht die schlechteste Lösung.

    • Da gibt es mehrere Aspekte. Einmal die Branchenkollegen, die neben der Substitutions“furcht“ auch klar eine hohe Preispolitik fahren im Sinne „so lange der Markt das hergibt“. Nicht nett, aber nachvollziehbar. Und dann die Kollegen, die darüber nachdenken, nachdem jetzt viele ihre Workflows hin auf Digital optimiert haben, wie man mit Preisen anders agieren kann. Oder die bewußt und auch im Rahmen der Buchpreisbindung Marketing mit dem Preis betreiben, etwa, um für Backlist-Titel Sichtbarkeit zu erzielen. Tatsächlich gibt es ja auch (ältere) GfK-Zahlen, die darauf hinweisen, dass es in einigen Bereichen neben Substitutionseffekten auch Neukundengewinnung gibt. Insofern gibt es hier kein Schwarzweiß, sondern viele unterschiedliche Positionen unterschiedlich aufgestellter Verlagshäuser. Und wir brauchen uns auch nichts vormachen: viele Selfpublisher setzen gerade auch mit teils erfolgreichen Niedrigpreiskampagnen Maßstäbe, Preisgrenzen, an denen sich der Käufer mehr und mehr orientiert. Ein Käufer, der nicht unterscheidet zwischen dem Produkt eines Selfpublishers und eines Verlag und (ohne Schuld) auch kein Gefühl für die unterschiedlichen Kalkulationsstrukturen hat. Insofern habe ich schon das Gefühl, dass hier viel Bewegung stattfindet, aber auch nachvollziehbares Zögern angesichts tatsächlich einbrechender Taschenbuch- und Lizenzmärkte.

  2. Nach der polarisierenden Überschrift kommen interessanterweise viele Argumente, die ich auch benutzt habe. So weit unterscheiden unsere Standpunkte sich gar nicht, wohl aber das Ergebnis.

    Es gibt bei Preisen für eBooks zwei in meinen Augen wichtige Aspekte. Einer ist die Frage, welche Rechte und welche Rechtssicherheit die Kunden haben, der andere die Frage der Kostenrechnung seitens des Verlegers.

    Bei den Rechten ist es definitiv so, dass wir beim Erwerb eines eBooks spürbar weniger Rechte erwerben als beim Erwerb einer gebundenen Ausgabe oder eines Paperback. §17/II Urhebergesetz erlaubt mir ausdrücklich, alle frei erworbenen Kopien eines Werks wieder zu verkaufen oder anderweitig weiterzugeben. Das ist u.a. die Erwerbsgrundlage der Antiquare, ich kann Bücher auf dieser Grundlage auch verschenken oder in die Bücherbox am Marktplatz stellen, damit andere daran Freude haben.

    Dieses Recht zur Weitergabe habe ich bei eBooks verständlicherweise nicht, daher gibt es keinen solchen Sekundärmarkt. Leser/innen, die sich vor dem Urlaub beim Antiquar oder Bücherbummel eindecken, werden bei den aktuellen Preisen definitiv keine eBooks kaufen.

    Bei vielen Kunden stimmt bei eBooks daher die persönliche Kalkulation schon nicht mehr. Und angesichts der Gratisangebote im Netz werden viele vom Buch als Medium abwandern.

    Dazu das nächste Problem: DRM. Zugegeben: Auch die Musikindustrie hätte damals iTunes und den legalisierten Napster nicht akzeptiert, wenn es keine DRM gegeben hätte. Yahoo Music und MSN Music waren auch DRM-Anbieter, aber beide sind jetzt tot.

    Wer Musik bei MSN Music gekauft hatte, musste diese vor dem Abschalten des DRM-Servers auf CD brennen, ansonsten war es nicht möglich, sie nach 2008 auf ein anderes Gerät zu übertragen.

    Amazon wird den Vertrieb von zu heutigen Formaten kompatiblen Kindle-Produkten sicher nicht so schnell einstellen, aber es gibt ja noch 2 oder 3 Mitbewerber. Werden die in 10 Jahren noch existieren? 10 Jahre sind bei Büchern kein Zeitraum.

    Bei diesen Einschränkungen der Nutzungsrechte und dem Risiko, dass das eBook eines Tages als Datenmüll auf dem Reader liegt, halte ich es für arrogant, wenn der aktuelle SPIEGEL-Bestseller in der Sparte Sachbuch als eBook nur einen Cent billiger ist als das Paperback. Die Musikindustrie ist daher schon seit einiger Zeit von DRM weg gegangen. Solange es DRM gibt ist ein virtuelles Buch für mich weniger wert als ein Gedrucktes.

    Zur Preiskalkulation.

    Ich traue weder der GfK-Studie, noch der Umfrage bei den Kunden so ganz, solange ich die Fragen nicht kenne, die da gestellt wurden.

    „Der im Blogbeitrag weiter angeführte Punkt des eingesparten Rabatts, weil der Buchhandel nicht mehr an der Distribution beteiligt ist, entpuppt sich bei klarem Blick als völliger Unfug. Oder glaubt hier irgend jemand, dass Amazon, Apple & Co. pro bono arbeiten?“

    Hab ich nie behauptet. Ich sehe nur als jemand, der mal Kostenrechnung gelernt hat, dass auch die Buchhändler (egal ob Laden oder Versand) Infrastruktur einsparen. Für eBooks braucht man keine Regale, keinen Lagerraum, der Versand kostet kein Porto. Man hat kein Risiko, dass eingekaufte Exemplare liegen bleiben, weil man die Marktgängigkeit eines Buchs falsch eingeschätzt hat, und man verliert keinen Umsätze, weil man von einem Titel zu wenig Exemplare gekauft hat und die Kunden daher zur Konkurrenz gehen.

    Rechnen wir das mal aus, bei einem Buch, das gebunden 10€ kostet:
    7% seines Endpreises entfallen derzeit auf die Umsatzsteuer. 70ct.
    Das Buch kostet also netto 9,30€.

    Davon sind 25% Druckkosten, Lager, Vertrieb und Freiexemplare. Nehmen wir runde 2,30€. Es bleiben 7€.

    Die Provision des Händlers liegt bei 40% des Netto-Endpreises, also rund 3,70€. Darin sind auch Risikozuschläge, Lagerkosten und Finanzerungen enthalten. Auch Personalkosten zum Verräumen der Bücher fallen bei eBooks weg.

    Selbst, wenn das alles nur 70ct sind (es werden meiner Meinung nach erheblich mehr sein), kommt ein eBook auf Netto-kosten von 6,30€.

    Rechnen wir auf die 6,30€ die derzeitigen 19% Mehrwertsteuer drauf, kommen wir auf aufgerundet 7,50€ für ein Buch, das mit derselben Gewinnspanne bei Verlag und Buchhandel als Paperback 10€ kostet. Also genau meine 25%.

    Und da geht noch mehr, erst recht, weil das Buch, wenn die Mehrwertsteuer von 7% auch für eBooks kommt, bei gleichem Gewinn nur noch 6,75€ kosten kann. Und sie wird kommen. Auch im Steuerrecht müssen ähnliche Sachverhalte ähnlich geregelt werden, und der Grund für die 7% Mehrwertsteuer bei Büchern ist ihr kultureller und Bildungsauftrag. Den erfüllen eBooks genauso. Wenn eBooks 19% Mehrwertsteuer kosten, dann fördert die reduzierte Steuer für gebundene Bücher nicht Kultur und Bildung, sondern nur Druckereien und Speditionen.

    Amazons Sicht, dass Bücher heute im Wettbewerb eben nicht nur mit Büchern stehen, kann ich zudem teilen. Sehe ich im richtigen Leben täglich, auch bei mir. Sieht man den Überschuss nicht mehr auf das Exemplar bezogen, sondern auf die gesamte Auflage, simmt Amazons Berechnung am Ende vermutlich.

  3. Danke für den sachlichen Beitrag. In einigen Punkten liegen wir vielleicht wirklich nicht weit auseinander. Aber die obige nachvollziehbare Kostenkalkulation unterschlägt einen Punkt, der gerade für Verlage zumindest in der jetzigen Marktsituation sehr relevant ist: die Mischkalkulation und die dahinterliegende Substitutionsgefahr. In einer Welt in der ich für Zielgruppe A Produkt A und für Zielgruppe B Produkt B habe, würde die Rechnung stimmen, vor allem wenn A ungleich B wäre und der Absatz beider Produkte 100%. In eine Verlagskalkulation fließt aber immer auch die Überlegung ein, wie hoch der Grad der Substitution ist. Und da können wir uns noch die nächsten Monate Beispielrechnungen um die Ohren hauen, das hilft nichts.
    Eine weiterer, von mir erst gar nicht weiter aufgeführter Umstand ist die Verlag-Autoren-Beziehung, die ja bei der Preisfindung (da Honorar daran gekoppelt) eine auch kalkulatorisch wichtige Rolle spielt. Und hier ist die Realität schlicht die, dass idR Autoren gar nicht begeistert sind von niedrigen LPs. Oder, um mal einen Selfpublisher (anonymes Zitat aus einer Selfpubber-Facebook-Gruppe zu meinem Artikel mit Datum 5.8.) zu zitieren: „irgendwann muss man den leuten Geld schenken damit sie die Bücher lesen. Ich geh nicht vom Preis runter fertig aus!“
    Das ist jetzt vielleicht etwas polemisch, entspricht aber dem Verlagsalltag.

    Wir können gerne über jedweden Aspekt im Kontext E-Book diskutieren, auch kontrovers. Was ich nicht mehr lesen mag, sind Anwürfe, vermeintlich im Sinne des Lesers, die abseits aller Branchenrealität passieren.

  4. Ich werde mal etwas bissig: „Marktsituation“ klingt im preisgeregelten Buchmarkt schon lustig. Marktregeln über die Preisbildung funktionieren ansatzweise zwischen Buchhändlern und Verlagen, aber nach draußen nicht – wenn ich den neusten Stephen King haben will, hab ich auf dem Holzbuchmarkt erstmal höchstens die Wahl zwischen gebunden und Paperback. Ansonsten kostet das Buch bei allen gleich viel, was die Verlage erpressbar macht (insbesondere, wenn große Händler wie Thalia oder Amazon ins Spiel kommen, bei denen man nicht nicht gelistet sein sollte).
    Die Angst vor der Substitutionsgefahr hat auch die Musikindustrie analog gehabt. Erst versuchte sie, mit Kopierschutzmechanismen und den Körben des Urheberrechts das Erzeugen von MP3 aus CDs illegal zu machen, dann kam das irrsinnige DRM ins Spiel, das uns genauso wenig Rechtssicherheit auf Nutzung der erworbenen unbefristeten Lizenzen gab, wie jetzt die DRMs der Reader. Heute hat sie sich arrangiert. Wenn ich die Musik haben will, kaufe ich sie zu einem inzwischen fairen Preis bei Amazon oder Google (99ct-1,29€ pro Track und ein paar Prozent Rabatt fürs ganze Album sind mehr als ok). Aber ich kaufe auch manche CDs, wenn die einen Mehrwert bieten. Wie die letzten von den „Ärzten“ zum Beispiel. Eine CD bedruckt als Pizza und in einer kleinen Pizzaschachtel ist was Besonderes. Vielleicht gibt es das für gedruckte Bücher auch mal wieder: Sammlerausgaben im Schuber mit nicht digitalisierbaren Gimmicks dabei?
    Auf Sicht hin wird der Markt sich aufteilen. Es wird Menschen geben, die gedruckte Bücher haben wollen, und Menschen, die digitale Bücher haben wollen. Wenn beide Ausgaben unterschiedlich viel kosten, aber Handel, Verlag und Autor die gleichen Einkünfte bescheren, hat erstmal niemand was verloren.
    Bei den Selfpublishern… naja, ich hab als Urlaubslektüre so ein Buch auf dem Tablet, ein SF-Fantasy-Roman mit gefühlt 8000 Seiten. Ich glaube, dass da alle Adjektive drin gelandet sind, die ich seit 1991 aus meinen Texten gestrichen habe. Ohne Empfehlung hätte ich das Buch nie gefunden. Und hätte das auch besser nicht. Aber 2,50€ für den Schinken in einer Aktionswoche war noch ok.
    Wenn die Autorenhonorare heute prozentual an den Preis gekoppelt sind, warum koppelt sie man nicht alternativ an die Exemplare? Statt 5% des Ladenpreises sagt man bei einem Buch für 10€ 50ct pro Exemplar für die Zeit bis zu einem Stichtag, an dem man neu verhandelt oder die Preise neu festlegt?
    Die Preise ändern sich sicher nicht wöchentlich, siehe Buchpreisbindung. Eher alle paar Jahre mal. Da wäre das auch praktikabel, oder?

  5. Kurz (aus Zeitgründen) zu zwei Punkten:
    a. Buchpreisbindung. Warum macht diese Verlage erpressbar? Im übrigen wäre ich hier mit dem Ruf nach Marktliberalisierung vorsichtig, in anderen Ländern hat deren Abschaffung erst zu einem rapiden Anstieg der Preise geführt, die dann bei digitalen Produkten wiederum ebenso rasant in den Keller gingen und nur noch wenigen betriebswirtschaftlich sinnvolles Tun zuließen. Gleichzeitig verhindert bzw. verlangsamt diese eine jetzt schon sichtbare Monopolisierung der Distributionskanäle. Und so ungewöhnlich ist diese nicht hierzulande, gilt auch für andere Leistungen wie Arzneimittel, Taxifahrten etc.
    b. Die Honorierung mit fester Höhe pro Exemplar – sie ist zwar die Ausnahme, aber nicht völlig fremd. Aber einen Vorteil sehe ich hier nicht.

  6. Seien Sie gegrüßt meine Herren,
    ein interessanter Dialog und seitens Volker König typisch deutsch. Es ist alles zu teuer, wehe dem, wenn auch irgend jemand mit seinem Tun Geld verdient. Böse Verlage, die als Wirtschaftsunternehmen auch noch Gewinn erwirtschaften müssen, so fordern es die Steuergesetze.

    Die ganze Rentabilitätsberechnung mal weg. Als reiner EBook Verlag kann ich Ihnen sagen Herr König, dass die Aussage von Enno völlig korrekt ist, die Kosten der Herstellung eines EBooks sind nicht so viel geringer als bei einem Printbook. Bei EBooks fallen nur andere Kosten an, die vermeintliche Vorteile wieder aufheben. Es ist ja nicht so, dass ein EBook nur umgespeichert wird, es muss technisch Korrrektur gelesen werden. Es ist ein E-Book, ein elektronisches Medium mit einem html Code. Es sind Honorare zu zahlen und selbst bei Amazon verkauft sich das Dinge auch nicht von selber. Als Händler erwartet Amazon natürlich auch seinen Anteil, wie alle anderen.

    Und warum kann man EBooks nicht verschenken, nicht weiter verkaufen etc.? Es ist doch nur eine Frage der Beschäftigung mit den Medien Herr König. Wir haben heute ECards, da kann man jedes EBook verschenken, dass im System ist. Viele Verlage fahren diesbezüglich bereits beidgleisig.

    Zum Preis. Fakt ist, der geizistgeil besessene Deutsche „kauft“ bei Amazon alles was umsonst ist zu tausenden, selbst 0,99 ct ist er nicht bereit zu zahlen. Und er „kauft“ auch nur gratis, wenn es am Tag davor und danach Geld kostet. Ich stelle mir eine andere Frage, mit welcher Berechtigung verkaufen Reprintverlage gemeinfreie Bücher für 30,00 und mehr Euro im Print? Die CD wird eingeworfen und ab die Luzi. Da wird nicht einmal etwas nachbearbeitet, siehe Salzwasser Verlag.

    Weiter wurde irgendwo die Forderung laut, dass man mehr auf Themenqualität achten sollte beim EBook. Das sehe ich auch so.1000 Buchseiten sind nicht als EBook geeignet, der Aufwand der Nachbearbeitung in der Herstellung ist ja viel höher als beim Druck. So ein Buch dann mit 100,00 € anzubieten ist allerdings auch daneben.
    Nach wie vor, und das wird so bleiben, sind EBooks 19 Prozenter, weil elektronische Medien.

    Diese Preisdiskussion zu EBooks ist für mich daneben Herr König. Es ist Ihnen doch unbenommen, jedes Buch abzuscannen und sich ein EBook draus zu machen, vielleicht lernen Sie so den Aufwand und den Preis zu schätzen, der für ein EBook verlangt wird. EBooks sind kein Müll, sie sind einmal von Menschen geschrieben worden. Jede Leistung ist ihres Preises wert. Der Preisverfall bei den geizgeilen Deutschen ist ohnehin daneben.

    Mit besten Grüßen
    Hetty König

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