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„Antizipatorischer Versand“ – Amazon verschickt die Ware VOR der Bestellung | Meier-meint.de
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„Antizipatorischer Versand“ – Amazon verschickt die Ware VOR der Bestellung

„Ich weiß, was du letzten Sommer bestellt hast“ – ein Filmtitel, auf Amazon adaptiert, passt hier wie die Faust aufs Auge. Denn wenn jemand seine Kundendaten bis ins letzte Detail geschickt auswerten kann, dann der amerikanische Versandriese. Bisher beschränkte sich die Anwendung dieses Wissens darauf, so passende Produkt-Tipps wie irgend möglich dem potentiellen Käufer anzudienen. Aber warum auf der Basis dieses Wissens nicht dem Kunden seine gewünschten Produkte zusenden, bevor dieser überhaupt daran gedacht respektive diese bestellt hat?

Das nächste große Ding oder nur ein Marketing-Gag? Hintergrund dieser Überlegungen ist jedenfalls eine Patentanmeldung, über die Sascha Pallenberg auf Mobile Geeks berichtet. Nach dem ersten fassungslosen Kopfschütteln muss man aber zumindest anerkennen, dass dies durchaus eine logische Konsequenz angehäuften Kundenwissens sein könnte. Wenn ein Unternehmen ein umfassendes Kundenprofil hätte, dann wäre eine prognostische Herangehensweise an zukünftige Käufe zumindest denkbar. Und wenn dem so wäre – warum warten, bis die gewünschte Ware bestellt wird, von der das Unternehmen sowieso mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiß, dass sie bestellt wird? Und eines der Unternehmen, dass sowohl ein enormes Interesse am Datensammeln hat, aber auch die intellektuelle Chuzpe zu dessen Nutzung hat, ist eben – Amazon.

Natürlich gibt es einige Gründe, die gegen dieses Konzept stehen. Die größte Hürde ist sicher eine psychologische. Wollen wir wirklich von einer unsichtbaren Hand in den Konsumenten-Himmel geleitet oder eben doch noch unsere (vermeintlich) eigenen Kauf-Entscheidungen treffen? Sozusagen Possibilismus gegen Determinismus?

Dann wäre auch noch die Frage, ob Big Data bei Amazon schon „big“ genug für dieses Vorhaben ist. Mit Sicherheit nicht. Und wären wir bereit, die nötigen zusätzlichen Daten herauszugeben, in Zeiten des wachsenden Argwohns gegen Datensammler aller Art?

Am Ende würde dies auch eine rein kaufmännische Entscheidung sein – Warenremissionskosten gegen zusätzliche Erträge. Aber auch hier wäre ein perfekter Logistiker wie Amazon weit mehr geeignet als viele andere aus der Branche.

Zudem musste ich bei der Abwägung der Vor- und Nachteile des „antizipatorischen Versands“ an die Äußerung eines Verlegers denken, der einmal meinte, wir müssen in der Branche „Produkte machen, die überraschen, von denen der Leser noch gar nicht wusste, dass er sie will“. Amazon überträgt diesen Gedanken vielleicht auf den E-Commerce.

Bildquelle: MIKI Yoshihito

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4 Kommentare

  1. Also ich möchte definitiv weiterhin selbst entscheiden, was ich kaufe und was nicht. Und wie sieht sowas überhaupt auf der gesetzlichen Seite aus? Ein Kaufvertrag ist das dann ja nicht…

    • Momentan ist das ja nur ein Patentantrag (was ich sowieso schon merkwürdig finde, so etwas als Patent anzumelden, aber gut). Da hat sich Amazon sicher keine Gedanken um deutsches Handelsrecht gemacht.
      Mir geht es um die Möglichkeiten, die sich im Positiven wie Negativen auftun.

      • Auf ein Patent verzichtet man ganz sicher nicht, weil irgend ein popeliges Land auf dieser Welt nicht das passende Handelsrecht hat. Und wer weiß, was sich mit der geplanten Freihandelszone in Europa noch ändern wird. Also ich würde das Patent auch lieber gleich anmelden, bevor es ein anderer tut!

  2. Ich denke mal, falls der deutsche Buchhandel hier auch nur wieder an einen Hoax oder Marketing-Gag glaubt und sich selbstgefällig den staubigen Bauch tätschelt, macht er sich endgültig zum Dinosaurier. Ich wünschte mir in unseren Breiten auch nur halb so viel Mut für Visionen, zu dem immer auch der Mut fürs Scheitern, Umdenken und Experimentieren gehört.
    Das haben wir von den Amerikanern immer noch nicht gelernt: Anstatt uns ständig mit den großen Aber zu blockieren und jede Idee erst mal zu zerreden, einfach mal den Hintern heben, loslegen und dann die Geschäftsidee nach und nach den Gegebenheiten anpassen. Und wenn man hinfällt, nicht mit dem Finger zeigen, sondern ermutigen. Wieder aufstehen, sich schütteln, weitermachen.

    Ansonsten: Sollten in naher Zukunft viele NSA-Mitarbeiter ihren Job verlieren, dürfte eine Übernahme bei Amazon sicher noch verrücktere Dinge ermöglichen. Und wenn die Vernetzung so weiterschreitet, meldet der internetfähige Kühlschrank demnächst in Zusammenarbeit mit Googles Kontaktlinsen gegen Diabetes ganz sicher die richtigen Kochbuchbestellungen bei Amazon. 😉

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